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Mit Dettmerings Buch Dichtung und Psychoanalyse erlebte 1969 die psychoanalytische Literaturwissenschaft in Deutschland ihre Wiedergeburt. Kurz danach eroberte sie sich ihren Platz unter den Geisteswissenschaften zurück, den sie 1933 verloren hatte. Das geschah im Rahmen der damals intensiv geführten Methodendiskussion, an der die Literaturpsychologie prominent teilnahm, stand sie doch mehr als andere Disziplinen und mehr als vor ihrer Verbannung aus der akademischen Welt unter wissenschaftstheoretischem Legitimationszwang. Dettmering war jedoch eher an der praktischen Erprobung und an der Demonstration ihrer Fruchtbarkeit als an ihrer theoretischen Fundierung interessiert. Von seiner Hand erschienen inzwischen zahlreiche Beiträge zur Literatur- und Filmanalyse, meist Interpretationen einzelner Werke oder Künstlerpersönlichkeiten, doch relativ selten äußerte er sich darin über die Grundlagen seiner Methode. Diese besteht, umsiewe-nigstens anzudeuten, in einer Textlektüre, welche »die Verbindung mit der Vielfalt klinischer Ausdrucksformen und Verhaltensweisen« nicht aus den Augen verliert und die sich vor der Gefahr zu hüten versucht, »Pathologisches in einen nicht-pathologischen Zusammenhang hineinzudeuten« (S. 176). Damit berührt er einen Kern-punkt aller Literaturanalyse: die un-leugbare Analogie zwischen gewissen künstlerischen Phänomenen und Techniken einerseits und pathologischen Erscheinungen anderseits, eine Übereinstimmung, die allzu oft zu einer voreiligen Gleichsetzung Anlaß bietet. Wenn er zum Beispiel die Kommunikation in den »Sprachduellen« in Kleists Dramen konkretistisch nennt und dabei nicht verschweigt, daß der Terminus in der Psychiatrie eine pathologische Störung bezeichnet, weist er zugleich darauf hin, daß Konkretismus zwar eine Regression sei, die aber »vom Patienten dumpf erlitten wird«, während der Dichter »sich ihrer als einer Erweiterung seiner Ausdrucksmöglichkeiten aktiv bedienen« kann (S. 37).
Dettmerings Position im Methodenstreit findet