You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
In seinem vorangegangenen, ersten Buch Techniken des Betrachters hatte sich der amerikanische Kunsthistoriker Jonathan Crary eingehend mit der Entwicklung insbesondere von opti-schen Geräten im 19. Jahrhundert beschäftigt und damit, wie dies im Zusammenhang mit einer stets spezifischen historischen Konstitution des Subjekts zu sehen sei. Dabei interessierte Crary in erster Linie das betrachtende Subjekt und wie dessen jeweilige zeitgenössische Vorstellungen von einer idealen Betrachtung oder Beobachtung sein immerwährendes Streben nach technischer Perfektionierung prägte, um dann wieder spezifische Veränderungen sowohl des Subjektstatus nach sich zu ziehen als auch sein diesbezüglich sich weiter veränderndes Tun, insbesondere sein Erfinden und Erforschen. In erster Linie am Beispiel der Camera Obscura hatte Crary seine zentrale These ausgearbeitet, daß das Subjekt und die »Umformung von Subjektivität« untrennbar verbunden seien mit den entsprechenden »historischen Vorstellungen vom Sehen« (S. 15).
Seine nun folgende Arbeit Aufmerksamkeit geht von der »Betrachtung der Techniken des Betrachters« über auf die gewissermaßen übergeordnete Ebene der Aufmerksamkeit schlechthin, denn das Sehen stelle »lediglich eine Schicht in einem Körper dar, der von einer Reihe externer Techniken ergriffen, geformt oder kontrolliert werden kann« (S. 15). So weist Crary bereits in der Einleitung seine Foucaultsche Prägung aus. Auch sei das Phänomen der »unentwirrbar gemischten Modalitäten der Wahrnehmung« von großer Bedeutung; und schließlich heißt es, daß derselbe Körper »jedoch auch imstande ist, sich einem institutionellen Zugriff zu entziehen und neue Formen, Affekte und Intensitäten zu erfinden«. Seine These ist, daß das damalige »Aufkommen bestimmter Normen und Praktiken der Aufmerksamkeit« nur verstanden werden kann im Sinne der Spannung zwischen einer »paradoxe[n] Überschneidungzwischeneinem innerhalb der disziplinären Organisation von Arbeit, Erziehung und Massenkonsum geltenden I