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Wie schon in Psychotherapie als Profession sucht Michael Buchholz auch in diesem Buch Psychoanalyse und Psychotherapie mit sozialwissenschaftlicher Interaktionstheorie zu verbinden. Er versteht die Geschichte der Psychoanalyse als »Lösung aus den engen Grenzen eines methodischen und konzeptuellen Individualismus« (S. 16). Für einen Wechsel zum Paradigma der Intersubjektivität sprechen Befunde der Säuglingsforschung, Pro-fessionstheorie und Therapieforschung, nachdem schon die Vielzahl in-terpersoneller Ansätze, die Selbstpsychologie, die Familientherapie und vor allem die relationale Psychoanalyse Stephen Mitchells die Weichen in diese Richtung gestellt haben. Zudem hält es der Autor für notwendig, daß sich die Psychoanalyse für die aktuellen wissenschaftlichen Entwicklungen und philosophischen Diskurse öffnet. Gerade durch eine Vernetzung mit anderen Disziplinen könne sie wieder an Überzeugungskraft gewinnen, ohne die Souveränität ihrer professionellen Praxis an das ihr im Grunde feindliche Wissenschaftsparadigma der empirischen Forschung überantworten zu müssen — das ist die Grundkonzeption des Buches.
Neue Assoziationen also in mancherlei Richtungen, aber das schließt auch Distanzierungen ein. So befürchtet Buchholz, daß es bei — zu weit ge-hender—Assoziation der Psychoanalyse mit den Neurowissenschaften zu einer »feindlichen Übernahme« kommen kann, die das Gesicht der Psychoanalyse nachhaltig und wohl kaum zum Besseren verändern würde. Weiterhin verteidigt er die Souveränität der Profession gegen den von Grawe initiierten Trend zur Verwissenschaftlichung. Wenn sich Psychoanalyse und Psychotherapie den derzeit hoch im Kurs stehenden rigiden Maßstäben der »empirically supported therapy« (EST) unterwerfen würden, könnte dies eine Strenge mit sich bringen, die von manchen auch »als Strang empfunden wird, an dem ein freier psychoanalytischer Geist sein Leben aushauchen