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Zwei Themen sind es, die ich in diesem Artikel angehen möchte. Zum einen: Die von Freud so betonte Spannung zwischen Ratio und Triebwunsch zwingt dazu, die kantianischen Modelle des Subjekts, die diese Spannung bekanntlich herunterspielen, einer kritischen Reflexion zu unterziehen. Diese Neubetrachtung wiederum läßt das Verhältnis von Motivation und Begründung - den Punkt, an dem einander entgegenstehende Betrachtungsweisen des Subjekts gewöhnlich aufeinanderprallen - weniger problematisch erscheinen. An zweiter Stelle frage ich danach, wie die in Freuds Sicht größere Bedeutung des Konzepts der Identifizierung gegenüber dem Konzept der Identität unser durch die internationale politische Theorie geprägtes Verständnis der kulturellen Identität verändern kann. Meine Antwort darauf lautet, daß die Narrative der Identität nicht originär sind, sondern daß es sich um Konstruktionen handelt, die dazu dienen, die Subjekte in der internationalen Arena zweckentsprechend kenntlich zu machen. Mit anderen Worten, die Narrative der Identität fallen nicht in das Ressort einer a priori positionistischen Metaphysik, sondern hängen mit komplexen historisch-kritischen Prozessen der Identifizierung und des Austauschs zusammen. Das soll aber nicht heißen, daß »anything goes«. Nur manche dieser Narrative genügen den Erfordernissen plausibler Identifizierungsprozesse, deren Gelingen wiederum von der Geschichte der Beziehungen zwischen Subjekten in determinierten Kontexten abhängig ist. Auch diese zweite These zwingt einen Kantianer zum Theoriewechsel: Ich werde versuchen darzulegen, daß es nicht zuletzt diese Betrachtungsweise ist, die zu einer weniger kantianisch und eher hegelianisch geprägten Sicht des kollektiven Subjekts nötigt.