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Die Autorin arbeitet seit vielen Jahren im Therapiezentrum für Suizidgefährdete der Hamburger Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, einer einmaligen Einrichtung, in der eine oft vernachlässigte Patientengruppe auf psychoanalytischer Grundlage behandelt wird. Gerisch will individuelle unbewußte Motive ihrer Patientinnen erfassen, um ihr suizidales Verhalten zu verstehen. Sie verwendet die Einzelfallstudie mit einer psychoanalytisch-tiefenhermeneutischen Methodik.
Weibliches Suizidverhalten wird als Konfliktbearbeitung und als Ausdruck gestörter Entwicklung eines weiblichen Identitätsgefühls verstanden. Anhand umfangreichen Fallmaterials aus psychoanalytisch orientierten Kurzpsychotherapien läßt Gerisch ihre Leser an der Ableitung ihrer zentralen Hypothese teilnehmen, die lautet: Der Separations- und Individuationsprozeß ist für Mädchen eine besonders schwierige Entwicklungsaufgabe. In bestimmten Übergangssituationen des Lebens, etwa der Adoleszenz, bei der Geburt eines Kindes und bei der Aufnahme und der Beendigung von Liebesbeziehungen, werden frühere Konflikte aktualisiert und können als Reinszenierungen von Separationsbemühungen, letztlich von der Mutter, verstanden werden.
Der Suizidversuch stellt den Versuch dar, einen Konflikt zu lösen, der sprachlich nicht symbolisierbar ist, sondern am Körper agiert wird. »Ein Suizidversuch ist in der Regel nicht per se auf den Tod hin ausgerichtet, sondern in ihm verdichten sich Abwehr - das Tödliche, das Verneinende und Ab-gewehrtes -, leben, aber so nicht mehr leben wollen - gleichermaßen« (S. 16).
Zum Kernkonflikt weiblicher Suizidalität zwischen Fusions- und Abgren-zungswünschen zwischen Mutter und Tochter gehört untrennbar eine eingeschränkte Triangulierungskompetenz aufgrund mangelnder väterlicher Repräsentanz. Wegen der körperlichen Gleichgeschlechtlichkeit von Mutter und Tochter, so Gerischs These, ist die Aufgabe, eine von der Mutter getrennte weibliche Identität zu erlangen, erschwert, da das Mädchen