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Wer sich für Freud-Biographik interessiert, kennt natürlich die Abraham-Briefe. Das heißt, er glaubt sie zu kennen - aus der gekürzten Ausgabe, die 1965 im Fischer-Verlag herauskam. Lange war dieser Band der wichtigste der gedruckten Schülerbriefwechsel Freuds und spannend zu lesen. Heute, da wir vollständige Ausgaben der Korrespondenzen mit Jung, Jones, Ferenczi und auch mit Eitingon haben, erscheint derselbe Text enttäuschend und unzulänglich. Wir wollen nicht einsehen, daß wir über die Geschichte der Psychoanalyse in Berlin weniger wissen als über die in Budapest. Die alte Edition ist nach heutigen Standards mangelhaft annotiert. Und vor allem ist der Dialog der beiden Schreiber darin dauernd gestört. Es gibt permanent Fragen ohne Antworten, Antworten ohne Fragen, Themen, die in der Luft hängen - mit einem Wort: der Briefwechsel wurde nicht nur gekürzt, sondern das auch noch schlampig.
Eine Neu-Ausgabe der Abraham-Briefe - der vollständige Text, angemessen erläutert -ist seit Jahren ein Desiderat. Nun endlich wird die Lücke gefüllt. Aber was jetzt vorliegt, der Gegenstand dieser Besprechung, ist nicht der Originaltext, sondern eine englische Übersetzung. Das Erscheinen einer entsprechenden deutschen Ausgabe wurde bisher durch den Fischer-Verlag verhindert, der seine alten Bände noch nicht restlos verkauft hatte. Erst nach dem die englische Fassung auf dem Markt ist, wird nun auch eine deutsche Publikation dieser Hauptquelle zur Frühgeschichte der Psychoanalyse