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Es wird die psychoanalytische Behandlung eines Patienten mit einer neurotischen Depression dargestellt. Die depressiven Zustände reichen bis in die Kindheit zurück, sie haben sich im Erwachsenenalter bei einem Trennungskonflikt vertieft. Als ätiologischer Hintergrund enthüllt sich im Verlauf der Analyse eine Konstellation, wie sie André Green im Konzept der toten Mutter beschrieben hat, erschwert durch das Fehlen des früh verstorbenen Vaters. Der Autor versteht die rekonstruierte frühe Beziehung zwischen dem Patienten und seiner Mutter jedoch nicht nur auf dem Boden dieses klinischen Konzepts, sondern v.a. mit Hilfe eines entwicklungspsychologischen Interaktionsmodells der mütterlichen Affektspiegelung (Fonagy et al. 2002) als eine Beziehung, in der dem kleinen Jungen in einer vulnerablen Entwicklungsphase wichtige existenz- und identitätsbestätigende affektive Antworten der Mutter vorenthalten worden sind. Daraus sind fortbestehende latente, im späteren Leben leicht erweckbare Zweifel an der eigenen Existenz entstanden. Sie zeigen sich in der Analyse in einem Kontakt- und Bestätigungshunger. Somatoforme Symptome bewirken einerseits ärztlich-fürsorgliche Zuwendung, rekapitulieren andererseits unbewußt frühkindliche Erlebnisse einer krankheitsbedingten Verlassenheit. In einer mehrjährigen Behandlung kann der Patient die Symptome allmählich überwinden sowie eine reifere und stabilere Selbst-/Objekt-Differenzierung etablieren.