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100 Jahre nach dem Erscheinen der Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie soll der Frage nachgegangen werden, wie sich der historische Ausgangs- und Einsatzpunkt der psychoanalytischen Sexual- und Triebtheorie genauer bestimmen läßt. Der Autor versucht dies anhand einer Rekonstruktion der Geschichte der Sexualpathologie und Sexualwissenschaft des ausgehenden 19. Jahrhunderts aufzuzeigen, die mit der »Erfindung« und Thematisierung der in der Folge so genannten Homosexualität beginnt und mit der zunehmenden Normalisierung der perversen und frühkindlichen Sexualität endet. Er zeigt sodann im Rückgriff auf ein von Foucault entwickeltes theoretisches Raster, wie die Psychoanalyse diese Freisetzung und Normalisierung der nicht fortpflanzungsbezogenen Formen der Sexualität aufnimmt, aber auch bricht, indem siein die frühkindliche polymorph-perverse Lust das integrierende ödipale Gesetz einträgt, und dies in der Zeit seiner beginnenden Auflösung. Freuds Vorstellungen von einer fortpflanzungsbezogenen und nur relativen Geschlechterdifferenz verdeutlicht diese Bewegung. Nach einer kritischen Auseinandersetzung mit Laplanche schließt der Aufsatz mit einem Ausblick, nämlich mit der Frage, wie sich die rekonstruierte Entwicklung, die auf eine radikale Entkoppelung von Sexualität und Fortpflanzung hinausläuft, in gegenwärtigen Erscheinungen (Klons und Mannequins) verlängert und widerspiegelt.