You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Im Jahre 2002, drei Jahre nach dem Film Alles über meine Mutter (Todo sobre mi madre), drehte Pedro Almodovar, der heute nach Luis Buñuel als der international bekannteste Filmregisseur Spaniens gilt, den Film Sprich mit ihr (Hable con ella). Beide Filme wurden mit mehreren internationalen Filmpreisen ausgezeichnet. Der Film Sprich mit ihr beginnt in dem Theater, in dem Alles über meine Mutter endete, und nimmt das Thema wieder auf, das auch schon den vorigen Film bestimmte: eine alle Grenzen überschreitende Liebe, die auch vor dem Tod nicht halt macht.
Sprich mit ihr handelt von der Freundschaft zweier Männer, die sich am Bett ihrer Geliebten kennenlernen, die beide im Wachkoma liegen: Alicia ist eine junge Ballettschülerin, die nach einem Autounfall im Koma liegt und von dem Krankenpfleger Benigno mit großer Hingabe gepflegt wird. Marco, ein Reisejournalist, ist in die Stierkämpferin Lydia verliebt, die bei einem Stierkampf so schwer verletzt wurde, daß sie ins Koma fiel. Auch er verharrt an ihrem Bett, bis er von ihrem früheren Geliebten von diesem Platz vertrieben wird. Später erfährt er, daß Lydia gestorben ist und Benigno im Gefängnis sitzt, weil er die im Koma liegende Alicia vergewaltigt haben soll. Er kehrt zurück und besucht Benigno noch einmal im Gefängnis, bevor dieser Selbstmord begeht. Alicia erwacht bei der Geburt ihres (toten) Sohnes aus dem Koma und macht am Ende des Films wieder erste Gehversuche.
Juristisch gesehen, schildert der Film also einen sexuellen Mißbrauch, in dem Benigno seine Macht als Krankenpfleger dazu benutzt, seine sexuell-perversen Neigungen auszuleben. Sein Opfer ist eine bewußtlose junge Frau, die von Benigno so behandelt wird, als hätte sie einen eigenen Willen. Er will sie zum Schluß sogar heiraten und setzt ihr »Ja« dazu als selbstverständlich voraus. Das Unrechtmäßige der Situation vermag er nicht zu erkennen. Es handelt sich dabei eindeutig um eine strafbare Tat. Benigno sitzt deshalb auch zu Recht im Gefängnis, wo er sich de