You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Zu Tagungsbänden haben wir aus Erfahrung ein gespaltenes Verhältnis. Für gewöhnlich sind die Beiträge Wiederholungen dessen, was die Referentinnen und Referenten anderenorts schon genauso und besser geschrieben haben und was man dort schon mehrfach lesen konnte oder doch gekonnt hätte. Im besten Fall erhält man eine gute, oder sogar eine neue Zusammenfassung aus dem Forschungsgebiet des Referenten. Man kann aber auch mit einem etwas weniger bösen Blick auf einen Tagungsband schauen: ob er vielleicht doch eine Art Wegweiser zu seinem wie stets überkomplexen und akademisch verwirrten Gegenstand bietet. Wenn man das tut, wird man mit dem hier anzuzeigenden Band reich belohnt. Er entspringt einem internationalen Kongreß, der im Jahr 2002 von der Oper Frankfurt am Main durchgeführt wurde. Ganz offenbar hat dieser Ort der Tagung gutgetan.
Die Themen der Beiträge umfassen alles — vom historischen und begriffsgeschichtlichen Überblick über die spezielle kunstgeschichtliche Erörterung einzelner Affekt-Repräsentationen (»Mitleid«, »Grauen und Sanftmut«, »Scham« usw.) oder Meta-Affekte (»Stimmung«) in Kunstwerken bis hin zu detaillierten Untersuchungen einzelner Werke, sei es der Musik, der Malerei, der Plastik oder der Architektur.
Bei 38 Beiträgen und fast ebenso vielen Referenten kommt man als Rezensent unweigerlich in die Position des Deutschlehrers — Arbeiten zu benoten: ein paar wenige so richtig gute und so richtig schlechte und eine ganze Menge brauchbare. Ich greife hier nur fünf aus der ersten Gruppe heraus.
Zwei Arbeiten führen uns in Kants Theorie des Gefühls ein, die zugleich seine Kunsttheorie und damit, ob wir wollen oder nicht, »unsere« Kunsttheorie ist. Können Gefühle urteilen? von Brigitte Scheer und Wie fühlt man sich als vernünftiges Wesen? von Birgit Recki. Welche Rolle spielt das ästhetische Gefühl, nach der klassischen Auffassung identisch mit dem Gefühl des Schönen, bei der Wahrnehmung und Bewertung von Kunst? Brigitte Scheer rekonstruiert zunächst die Vor