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Das Verhältnis der Psychoanalyse zur Kunst ist ein zwiespältiges, gelten ihr doch die Kunstwerke im wesentlichen als Projektionen des Unbewußten des Künstlers, ohne daß dem Kunstwerk über die bewußten und unbewußten Motive des Künstlers hinaus ein Eigen-recht zugestanden wurde. In dieser Auffassung wurden Bedeutungsgehalt und Wirkung eines Kunstwerks isoliert. Seine Bedeutung erschöpfte sich in der individuellen Neurose des Künstlers, so wie auch seine Wirkung nur im Zusammenhang mit der individuellen lebensgeschichtlichen Entwicklung des Betrachtersgesehen werden konnte. Diese isolierende Betrachtungsweise setzte sich fort in einer For-schungsrichtung, die nach den Bedingungen von Kreativität fragt, als handele es sich hier um ein besonderes Vermögen.
Jedoch schon Freud praktizierte in seiner Arbeit über den Moses des Michelangelo eine andere Sichtweise, indem er ausdrücklich die Wirkungen einbezog, die dieses Werk auf ihn machte. Erst in jüngster Zeit wird innerhalb der Psychoanalyse eine Auseinandersetzung mit Kunst wieder von den Wirkungen der Kunstwerke her verfolgt und dabei gefragt, welches Bild von Wirklichkeit durch Kunst herausgestellt wird (G. Schneider, »Zum psychoanalytischen Verstehen bildender Kunst — Fragmente einer Annäherung«, in: Ders. [Hg.]: Psychoanalyse und bildende Kunst. Tübingen [ed. diskord] 1999, S. 11-33). Die Funktion von Kunst wird hier nicht mehr gesehen als Ersatzbefriedigung für die kulturell erzwungenen Triebeinschränkungen (Freud), sondern darin, daß sie unsere bewußten und unbewußten