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Das erste der Zehn Gebote, die Gott durch Moses den Israeliten verkündet, ist das Gebot des Monotheismus: »Du sollst keine anderen Götter haben als mich.« Mit diesem folgenreichen Gebot wird nicht die Existenz, sondern die Wahrheit der anderen Götter bestritten.
Die Auflösung des unter der Prämisse des Monotheismus impliziten Selbstwiderspruchs des ersten Gebots lautet also: Die Götter, an die die Juden nicht glauben sollen, können nur falsche Götter sein. Aber so leicht läßt sich der Widerspruch im Gebot des Eingottglaubens nicht beseitigen; die polytheistische Genealogie des Monotheismus läßt sich nicht spurlos tilgen.
Es geht dem Heidelberger Ägyptologen Jan Assmann nicht darum, die »Mosaische Unterscheidung«, die seinem Buch den Titel gegeben hat, rückgängig zu machen oder den Polytheismus zu verherrlichen, wohl aber darum, die Spuren dieser »Revolution« der Religion sichtbar zu machen. Die »Mosaische Unterscheidung« schafft eine »Gegenreligion« (S. 14) im Sinne eines Bruchs mit der interreligiösen Übersetzbarkeit der Götternamen. Denn der Monotheismus entsteht nicht als Universalismus (dies ist seine christliche Variante), sondern als Selbstausgrenzung aus der zwischen den verschiedenen Polytheismen herrschenden freien Konvertierbarkeit der Götter.
Ausgehend von der These eines »verdrängten« Polytheismus denkt Assmann über den Preis des Monotheismus nach. Dieser Preis besteht nicht zuletztdarin, von Zeit zu Zeit vom wiederkehrenden Verdrängten heimgesucht zu werden. Die Bibel selbst ist weit weniger »monotheistisch« als wir zu glauben gewohnt sind; in ihr spiegelt sich noch jene religiöse Unentschiedenheit, aus der der Monotheismus Gestalt annimmt. »In ihrer Bezogenheit auf zwei ganz verschiedene Formen von Religion, die eine poly-, die andere monotheistisch, die eine weltzugewandt, die andere weltverneinend, die eine Kultreligion, die andere Buchreligion, gleicht die hebräische Bibel einem Vexierbild; je nachdem, wie wir sie lesen, tritt bald das eine, bald d