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Es ist ein wesentliches, gedankenreiches und sehr wertvoll belegtes Buch, das mir jüngst in die Hände gelegt wurde. Ich fand es zugleich fesselnd und erschütternd und spürte unmittelbar, daß dies ein wichtiges Werk ist, das breite Aufmerksamkeit verdient. Der Zusammenhang zwischen manchen religiösen Aussagen, die mich seit meiner Jugend begleitet haben, wie »Sein Blut komme über uns und unsere Kinder«, die Juden als Mörder Gottes, das Gezischel über die heuchlerischen Pharisäer, die Überlegenheit von Glauben und Gnade über Gesetz und Werke, und dem untergründigen oder frech offenbarten Antisemitismus, dem ich immer wieder begegnete, war mir und uns Juden im allgemeinen stets schmerzlich bewußt. Wirwußten, daß die Täter sich oft auf ihr Christentum beriefen und wie eng die Zusammenarbeit kirchlicher Kreise mit der Vernichtungsmaschinerie war. Zugleich wußten wir aber auch von vielen Gegenbeispielen: von mutigen Gläubigen und Kirchenleuten, die sich dem Haß und der Verfemdung entgegenstemmten und ihr Bestes taten, den Verfolgten zu helfen und das religiöse Urteil über die Juden anzufechten. Ich denke v.a. an die beiden Päpste Johannes XXIII. und Johannes Paul II. Und dennoch, und dennoch! Denn es lastet ein dunkler Schatten über der christlichen Geschichte von Anfang an: schon die Evangelien sind voller Aussagen, die gegen das Judentum polemisieren und der Mutterreligion des Christentums Gewalt antun, ohne zu erkennen zu geben, wie sehr die Botschaft der Evangelien selber jüdischen Inhalts ist, wie ihre ethische Sensibilität dem »Hause Hillels«, einer Grundstütze des rabbinischen (d. h. »pharisäischen«) Judentums, nahesteht und wie Jesu Ideen völlig in die dem Talmud zugrundeliegende Ge-dankenwelt passen. Ich selber faßte den Gegensatz in meinem Buch über das Judentum so zusammen: »So steht die Göttlichkeit des Gesetzes der Vergöttlichung eines Menschen diametral gegenüber« (Ideen- und Wertewelt des Judentums, Göttingen 2001, S. 88).
Um so größer ist das Verdienst des