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Tilmann Mosers neues Buch Bekenntnisse einer halb geheilten Seele ist wie seine Bücher Lehrjahre auf der Couch und Gottesvergiftung autobiographisch; es ist, wie es in der Einleitung heißt, ein Rückblick auf über vierzig Jahre als Analysand bzw. psychotherapeutischer Patient.
»Bekenntnisse« haben eine literarische Tradition. Für Moser standen Fräulein von Klettenbergs Bekenntnisse einer schönen Seele Pate, die Goethe in Wilhelm Meisters Lehrjahre einfügt. Aber natürlich fühlt sich der Leser/die Leserin auch an Augustinus Confessiones erinnert, nicht zuletzt wegen des religiösen Hintergrunds, der auch dieses Moser-Buch prägt. Moser will sich und anderen »Rechenschaft« geben über seine Patienten-Laufbahn (S. 9); insbesondere auch seine »Lehrjahre« mit Hilfe der zwischenzeitlich neu gewonnenen körpertherapeutischen Erkenntnisse ergänzen und korrigieren. Der erste Teil des Buches enthält deshalb für den Moser-kundigen Leserviel Bekanntes. Aber während die Lehrjahre und die Gottesvergiftung beinahe wie Romane zu lesen sind, hat das neue Buch eher dokumentarischen Charakter.
Schon formal unterscheidet es sich von den beiden anderen Büchern dadurch, daß es aus vielen kleinen Kapiteln besteht, die sprachlich und inhaltlich teilweise stark variieren. Während der erste Teil des Buches noch einmal früher Dargestelltes Revue passieren läßt und kommentiert, enthält der zweite Teil Mosers Erfahrungen mit körpertherapeutischen Ansätzen sowie seine Erlebnisse in psychotherapeutischen Kliniken und im Schlaflabor. Wie in seinen beiden früheren autobiographischen Büchern geht es Moser auch hier um Authentizität; stärker aber als vorher möchte er seine Erfahrungen wissenschaftlich verankern. So kann man sein Buch auch als zeitgeschichtliches Dokument verstehen, was exemplarisch an seiner Person etwas über die Möglichkeiten resp. die Erfolge und Mißerfolge bei der Behandlung von psychischen Krankheitsbildern aussagt. Das Versagen werde besonders augenfällig bei Krankheiten, die sich den ü