You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Spätestens seit Alexander und Margarethe Mitscherlichs epochemachendem Buch Die Unfähigkeit zu trauern wissen wir, daß Trauern eine Fähigkeit erfordert, daß bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein müssen, damit Trauern als Prozeß in Gang kommen kann. Viele Deutsche waren nach den Schrecken des Zweiten Weltkriegs, in die sie alle mehr oder weniger verstrickt waren, schlicht nicht fähig, das, was ihre eigenen Landsleute, womöglich auch sie selbst, an Taten und Untaten verbrochen hatten, überhaupt zu sehen, geschweige denn zu verarbeiten. Trauer über die eigene Schuld wurde, wie uns die Mitscherlichs als Gewissen der Nation eindrücklich nahelegten, durch typische »deutsche Illusionen«, durch Verschiebung der Schuld auf den »Führer« und durch bestimmte »Techniken der Entwirklichung« abgewehrt. Warum aber so viele Deutsche zu der überfälligen Trauer nicht fähig waren, blieb unklar. Später hat Tilman Moser