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Veröffentlicht wurden im psychosozial Nr. 93 Beiträge zweier Tagungen, veranstaltet von der Gruppe »Migration und interkulturelle Psychoanalyse am Frankfurter Psychoanalytischen Institut«.
Alf Gerlach und Mohammad E. Ardjomandi beschäftigen sich mit den Unsicherheiten und blinden Flecken in der therapeutischen Begegnung mit Menschen aus anderen Kulturen. Ist jedoch die Auseinandersetzung mit dem kulturell Fremden ein migrationsspezifisches Anliegen; beschäftigen wir uns nicht in jedem therapeutischen Prozeß mit dem Fremden? Um es mit Morgenthaler zu sagen: »In der analytischen Beziehung entwickelt sich immer aus dem emotionalen Angebot des Analytikers ein emotionales Echo des Analysanden. Dieses emotionale Echo enthält Reste und trägt die Spuren der Gäste, die am einst frisch gedeckten Tisch des Kindes, das der Analysand einmal war, gesessen, gegessen, gefressen, gewütet, gefastet, verachtet, verschlungen, gespuckt, gestohlen und getrunken haben. […] Als Analytiker sind wir der ver spätete Gast, der von alledem, was da einst vorging, nichts weiß und nichts versteht« (Frankfurt/M. 1986).
Sind die Spuren der Gäste zusammen mit einem chinesischen Patienten zu entschlüsseln, ohne Kenntnis der chinesischen Gewohnheit, die Tafel plötzlich auf Zeichen eines Älteren aufzuheben und für unsere Verhältnisse überstürzt Abschied zu nehmen? Können wir das emotionale Echo eines orientalischen jungen Mannes verstehen ohne Informationen über Etikette und Ehrerbietung gegenüber den Vätern in seiner Kultur? Heißt diese Frage mit nein zu beantworten, sich gar nicht an den Tisch setzen zu wollen?
Die Auseinandersetzung mit dem Fremden ist zwangsläufig eine Auseinandersetzung mit dem, was auch anders sein könnte — also eine Erweiterung des Blicks. Wer selber schon in unbekannte Weltgegenden gereist ist, weiß, wie rasch das Fremde sich einem entzieht und zu einem bloßen Aspekt des schon Gewohnten wird oder sich als von uns exotisierte Platitüde erweist. Gerade deshalb scheint es mir wichtig,