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Die vorliegende Arbeit weckt ein doppeltes Interesse: durch die Faszination des Themas Denunziation/Verrat und durch die Nutzung psychoanalytischen Wissens außerhalb der therapeutischen Praxis zu Zwecken politischpsychologischer Forschung.
Im Zentrum steht die Zusammenfassung von 20 mehrstündigen Interviews, die Kerz-Rühling und Plänkers mit ehemaligen Inoffiziellen Mitarbeitern (IM) des Ministeriums für Staatssi-cherheit geführt haben, gefolgt von einer generalisierenden »Gesamtbeurteilung«. Durch die Interviews lernen wir sehr verschiedene Personen und Lebensschicksale kennen. Da ist der städtische Kulturreferent, der seinen Bürgermeister observiert, um sich an ihm zu rächen; die uneheliche Mutter, die sich durch die Drohung, man werde ihre Tochter ins Heim stecken, bewegen läßt, Informationen über kirchliche Gruppen zu geben; der Wissenschaftler, SED-Mitglied, der es als Teil seiner staatsbürgerlichen Pflicht ansieht, über Mißstände an seinem Institut zu berichten; der Abiturient, der während seines Militärdiensts zwei (folgenlose) Berichte über Mitsoldaten schreibt und deshalb 20 Jahre später aus dem öffentlichen Dienst ausscheiden muß. Fälle dieser Art passen gut in unser Bild vom IM. Es gibt aber auch andere, atypische: den jungen Wissenschaftler, der sich auf Gespräche mit der Stasi einläßt, um sich vom Vorwurf der Arbeit für einen feindlichen Geheimdienst zu befreien, und der später entdeckt, daß diese Gespräche als IM-Tätigkeit