You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Im letzten Kapitel seines vorigen Buches Analytische Träumerei und Deutung (Wien 2001) hatte Ogden sich mit
drei Gedichten von Robert Frost befaßt. Er habe, schrieb er dort einleitend, dieses Kapitel »einzig aus dem Vergnügen heraus verfaßt, das mir das Lesen von Poesie und das Schreiben über sie bereiten, und in diesem Sinne lege ich es dem Leser vor.«
Dieser Satz schien so etwas wie Freizeitvergnügen zu versprechen, Belohnung nach getaner Arbeit. Doch bald stellte sich heraus: weit gefehlt. In Kleinstarbeit nimmt Ogden Gedichte auseinander, untersucht Sätze, Worte, Vokalfolgen mit Geduld und Akribie. Nicht immer gelingt es, die Bereitschaft aufrechtzuerhalten, ihm dabei bis in alle Einzelheiten zu lauschen, so, wenn es scheint, als ob durch diese Art der Interpretation gerade das, was sie zu erfassen sucht, verlorenzugehen droht. Doch wenn es Ogden gelingt, in die Zeilen einzudringen und das in ihnen subtil Mitschwingende hervorzuholen, ist dies ein spannender Genuß. Dann entbindet sich aus zunächst sperrigen Zeilen oder einer nur latenten Anmutung eine manifeste Stimmung, eine Erzählung, ein »nächster Sinn«. Dann geschieht, was Ogden wohl zutiefst am Herzen liegt: die Herausbildung von Lebendigkeit.
Die acht Kapitel des vorliegenden Buches lassen sich in drei Teile oder besser Zyklen gliedern, ohne daß Ogden dies explizitbenennt. Im ersten Teil legt er sein Konzept über das Zwischenreich des Träumens noch einmal dar. Dieses Zwischenreich, »Zentrum menschlicher Lebendigkeit« (S. 14), liegt für Ogden in der Grenzzone zwischen Unbewußtem und Vorbewußtem. »Jener Grenzbereich ist der »Ort«, wo sich Träume und Träumereien ma-nifestieren, wo Spiel und Kreativität jeder Art geboren werden […] und wo auch symptomatische Kompromißbil-dungen ihren Ursprung haben, die uns unablässig verfolgen und unsere Lebenskraft schwächen, während sie eine Ordnung auf Kosten der Freiheit schaffen und die Illusion von Sicherheit erzeugen« (S. 14). Jener Ort also, an dem alle lebensfeindlic