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Sexualität, sollte man meinen, interessiert nicht einmal mehr Woody Allen. Das »sich einbringende« Dauergeschwätz der 80er Jahre einerseits, künstliche Befruchtung und Stammzellenforschung andererseits haben sie in die Grube geredet. Für den, der sich »heterolog« inseminieren läßt, ist Sexualität gewissermaßen ein Störfaktor
auf dem Wege zur Fortpflanzung. Das, was bei Freud den Jahrhundertskandal ausgemacht hat, die dominieren de Rolle der Sexualität, hat sich nicht nur beim Verbraucher, sondern auch bei den Psychoanalytikern immer mehr verdünnisiert. Aus dem zentralen Thema der Psychoanalyse ist ein Randthema geworden. Offenbar schon ganz und gar bei der Schule, die sich den »Objektbeziehungen« verschrieben hat, der Schule Melanie Kleins.
Der Band, den Karl und Ruth Mätzler herausgegeben haben, ist eine brillante Widerlegung dieses Vorurteils. Wennessich in der Psychoanalyse Wilfred Bions, des bedeutendsten Theoretikers der Kleinschule, um »erkennen« statt kopulieren handelt, so darf man daran erinnern, daß es in den alten Sprachen üblich war, das Wort »erkennen« für eben jenen Akt zu gebrauchen. Geist von Bions Geist verrät David Morgan, wenn er schreibt: »Das Nachdenken über den Anderen, in diesem Fall die Eltern, ist der Protoyp des gesamten künftigen Seelen- und Sexuallebens.« Diesen Satz muß man erst einmal auf sich wirken lassen. Da er nicht von christlicher Betulichkeit herrührt, wird klar, daß Objektbeziehungstheorien Verfeinerungen der Sexualtheorie sind, und zwar nicht als geschmäcklerische, postmoderne Würze. Esgeht schon ums Ganze. Der angeborene Lustapparat beim Menschen muß beseelt werden. Wenn Sexualität nämlich nur pure Sexualität wäre, hätte sie niemals die Schubkraft in der Geschichte der Menschheit gehabt, wäre sie nicht die Protestenergie gewesen, mit der sich alles verbünden kann — Amor vincit omnia. Die Erotisierung der Sexualität war und ist die Möglichkeit ihres Überlebens. In diesem Sinne sind Ovids Metamorphosen ein Weltentwurf, der vers