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Ein Buch ist anzuzeigen, das von der argen Kunst erzählt, in den Zeiten der Not Erinnerung zu schmuggeln und (wenn es gut gegangen ist) von der Contrebande zu leben und zu überleben. Es erzählt vom Fall des Vaters des kleinen Joffo im besetzten Frankreich, der im Moment, wo er seine Familie verlassen mußte, seinem Sohn eine kräftige Ohrfeige verpaßte, als dieser auf die Frage »Bist du Jude?« mit »Ja!« antwortete.«Was hatte dieser Vater anderes getan, als ein seit Generationen überliefertes Wissen um die Judenverfolgungen an sein Kind weiterzugeben?« Erzählt wird von Charlotte, einer nach Nizza geflohenen Berliner Jüdin, die den Vornamen von einer durch eigene Hand ums Leben gekommenen Tante geerbt hat, ohne daß über die symbolische Hinterlassenschaft ein Wort gefallen wäre. Sie entgeht dem Schatten der Selbstmörderin (den ihr Großvater in die zweideutige Formel »Nimm dir das Leben« eingeschlossen hatte), indem sie sich mittels einer endlosen Folge von 748 Gouachen die Überlieferung ihrer verschwiegenen Geschichte aneignet. In der Bilderfolgeentwirftsie die Momente des Nicht-Identischen und gewinnt (die Laufrichtung von der Vergangenheit in die Zukunftumkehrend)ihr ureigenes Leben — das ihr die Nazis, die sie Jahre später in Auschwitz ermordeten, nicht nehmen konnten. »Ein tragisches Schicksal — und dennoch sind wir berechtigt zu sagen: Bevor die Geschichte sie ereilt hat, ist es Charlotte Salomon gelungen, ausgehend vom einzigen symbolisierenden Wort, das sie je erreicht hatte, nämlich jenem großväterlichen Nimm dir das Leben! die Überlieferung zu verwirklichen, die ihr so bitterlich gefehlt hatte.« Erzählt wird von Rebekka, Tochter ägyptischer Eltern, noch in Ägypten gezeugt, aber in Frankreich geboren, die sich als »im Exil geboren« erlebt. Ihr gelingt der Aufbau einer stabilen persönlichen Identität erst, als sie unwillentlich damit anfängt, Elemente der ägyptischen Sprache, an welcher Spuren von Landschaften und Gerüchen, Unsicherheiten und Hoffnungen haften, in