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«Wenn Menschen, die eine gleiche Erziehung genossen haben wie ich, die gleichen Worte sprechen wie ich und gleiche Bücher, gleiche Musik, gleiche Gemälde lieben wie ich - wenn diese Menschen keineswegs gesichert sind vor der Möglichkeit, Unmenschen zu werden und Dinge zu tun, die wir den Menschen unserer Zeit, ausgenommen die pathologischen Einzelfälle, vorher nicht hätten zutrauen können, woher nehme ich die Zuversicht, daß ich davor gesichert sei?»
Dieses Zitat von Max Frisch stellt Harald Welzer seinem Buch über Täter des Nationalsozialismus voran und vermittelt dadurch ein Gefühl drängender innerer Unruhe, das den Hintergrund seiner Arbeit gebildet haben dürfte. In Frischs Überlegung wird die psychische Nähe zu den NS- Tätern gerade durch eine phantasierte Seelenverwandtschaft beängstigend groß und kulminiert in der Frage: «Könnte auch ich so einer geworden sein?»
Welzer geht in seinem Buch an die Täter «ganz nah ran». Gegenübertragungsreaktionen wie Aversion oder Fassungslosigkeit werden zwar kurz erwähnt, das Buch plädiert aber für ein sachliches «Verweilen beim Grauen» (H. Arendt). Der Autor kritisiert eine intellektuelle und politische Selbstentmündigung, die er darin erkennt, «jedes Mal dann, wenn sich ein massenmörderischer Prozess […] vollzogen hat, über die dabei freigesetzte Grausamkeit so entsetzt zu sein, als wäre es das erste Mal» (S. 14). In Abgrenzung dazu versucht er, die nationalsozialistische Massenvernichtung als ideologisches und soziales Wirkgefüge transparent zu machen. Die Täter treten hervor als in einem gruppendynamischen Geschehen gebunden, das durch die nationalsozialistischen Diskurse legitim erschien. Welzer erinnert daran, wie Ausgrenzung und Diskriminierung der Juden den Boden bereitete für die proklamierte Notwendigkeit, sie zugunsten der «Lösung der gesellschaftlichen Probleme» zu töten. Die damit verbundene Verschiebung des normativen Referenzrahmens bildet nach Welzerden Ausgangspunkt dafür, daß die Täter sich aus für sie plausibl