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Die Privatsphäre Sigmund Freuds und seiner Familie ist in den letzten Jahren verstärkt ins Blickfeld getreten, vor allem durch die Veröffentlichung von Freuds Reisebriefen (Freud 2002), der Jugendbriefe seiner ältesten Tochter Mathilde (Gödde 2003) sowie des Briefwechsels zwischen Freud und seiner Schwägerin Minna Bernays (2005). Auch die Entwicklung und Persönlichkeit seiner jüngsten Tochter Anna ist uns wesentlich näher gerückt, wozu besonders die Korrespondenz mit ihrer Freundin Lou Andreas-Salomé (2001) beigetragen hat. Der mit Spannung erwartete Briefwechsel zwischen dem Gründer-Vater der Psychoanalyse und seiner Tochter-Nachfolgerin darf als publizistischer Höhepunkt des Freud-Jubiläumsjahres gelten. Ein Großteil der Briefe war zwar in der Freud-Biographik schon auszugsweise oder als Ganzes bekannt; die jetzt mögliche Lektüre der Briefe in zeitlicher Kontinuität und damit in ständigen Bezugnahmen aufeinander bietet aber ein anders- und neuartiges Gesamtbild. Neben den Briefen selbst eröffnen die höchst informativen und sorgfältig ausformulierten Annotationen der Herausgeberin eine zweite - nicht minder welthaltige - Ebene. Ingeborg Meyer-Palmedo, langjährige Mitarbeiterin von Ilse Grubrich-Simitis im wissenschaftlichen Lektorat des S. Fischer-Verlags, ist es dank minutiöser Recherchen gelungen, aus vielen kleinen Hinweisen und Andeutungen die Beziehungswelt der Freud-Familie transparent zu machen. Wer bei dieser Erhellung der Vater-Tochter-Beziehung und der Privatsphäre der Freud-Familie auf Indiskretionen und kleine Sensationen aus ist, dürfte allerdings enttäuscht werden.
Der Briefwechsel umfaßt den Zeitraum von 1904 bis 1938. Da die beiden Briefpartner während dieses ganzen Zeitraums zusammenlebten, muß einer von beiden auf Reisen, im Urlaub, zu Familien- oder Kongreßbesuchen gewesen sein, um Anlaß zu brieflichen Mitteilungen zu geben. Auch wenn die hin- und hergehenden Briefe jeweils nur Perioden von wenigen Wochen oder Monaten des Getrenntseins überbrücken