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Die Zeit der großen Überblicke scheint seit fast einem Jahrhundert vorbei. Wer schreibt noch einen Leitfaden zur griechischen Kunst? Niemand, schon deshalb nicht, weil es die griechische Kunst nicht mehr gibt. Gibt es die Psychoanalyse noch? Das nun schon eher, aber wie kommt man ihr bei? Eli Zaretsky hält die Psychoanalyse für die bedeutendste Theorie und Praxis des persönlichen Lebens.
Wie sein Vorbild Max Weber will Zaretsky die Gegenwartsform des Kapitalismus in seiner lebensbestimmenden Macht sichtbar machen. Im Unterschied zu Weber jedoch rekurriert Zaretskys Kultursoziologie stillschweigend immer wieder auf eine vorausgesetzte Theorie der Gegenwart, von der her das Ende der Psychoanalyse prognostiziert wird - nur im Buch, nicht bereits im Titel. Der deutsche Titel ist zwar besser als der englische Secrets of the Soul, der eher an einen Schauerroman denken läßt, hat aber auch etwas vom »Ende«, etwas Endgültiges. Vor dem »Ende« will er nun jedoch erst einmal wissen, wieso ein Unternehmen, das anfangs eine so kurze Verfallszeit zu haben schien, dann wieder und wieder Schubkräfte entfaltet hat. Inspiriert hat Zaretsky »die Revolution des historischen Denkens«, die sich im Verlauf seines Lebens vollzogen habe; darunter versteht er einfach, daß historisches Denken jetzt nicht mehr nur die Staaten- und Kriegs-, sondern auch die Mentalitätsgeschichte umfaßt, und stimmt ein Lob auf die Kulturwissen schaften an.
Herausgekommen ist bei Zaretskys Vorhaben ein nützliches Buch für uns Europäer, da wir fast immer den Blick auf uns selbst gerichtet gehalten haben. Wenn er überhaupt die amerikanische Psychoanalyse erfaßt hat, dann geschah das aus europäischer Perspektive. Hier ist ein amerikanischer Autor, aus einer Familie stammend, die der Psychoanalyse professionell verbunden ist, der von Amerika aus die Psychoanalyse als eine Sozial-und Kulturgeschichte sieht und unter diesem Blickwinkel die Geschichte der Psychoanalyse insgesamt aufrollt. Interessant ist daran, daß Zaretsk