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Unter den vielen Büchern, die pünktlich zu Freuds 150. Geburtstag erschienen,
wurde dieses vom Verlag besonders angepriesen: ein »einzigartiges Dokument«, »spektakulär«, »sensationell«.
All das stimmt nur halb. Bereits der Titel verspricht zu viel. Eigentlich müßte er »Blums Analyse« lauten und nicht »Freuds«, denn das Buch enthält Notizen, die sich Ernst Blum (1892-1981), ein Schweizer Psychoanalytiker, nach den Analysestunden bei Freud machte. Noch passender wäre es gewesen, wenn Blum als Autor erscheinen würde, oder zumindest als Ko-Autor, denn seine Texte bilden das Kernstück des Buchs. Es handelt sich auch nicht um »Sitzungsprotokolle« im engeren Sinn, sondern: Blum schrieb auf, was er von den Stunden in Erinnerung hatte, mal mehr, mal weniger, und von einigen Stunden gar nichts. Ähnliche Notizen haben wir z. B. von Hilda Doolittle, Joseph Wortis oder John Dorsey, mit dem kleinen Unterschied, daß Blum nach fast jeder Stunde etwas festhielt. daß die Notate »mit Zustimmung Freuds« erfolgten (S. 14), suggeriert ebenfalls mehr, als wahrscheinlich war. Freud »billigte«, wie Blum berichtet, daß sich sein Analysand nach den Stunden Notizen machte (S. 271). Nichts deutet jedoch darauf hin, daß er sie gesehen oder gar »genehmigt« hätte, was man doch von einem Protokoll erwarten würde. Sie lagen zudem nur als Stenogramm vor (konnte Freud Steno lesen?) und wurden erst 1982 in Langschrift übertragen.
Trotz dieser kleinen Schiefheiten und Übertreibungen bleibt das Dokument hochinteressant. Blum, der bereits vor der Analyse Mitglied der Schweizer Psychoanalytischen Vereinigung geworden war, begab sich vom 29. März bis 28. Juni 1922 zu Freud (also fürr drei Monate, und nicht vier, wie es mehrfach heißt). Solche kurzen Kollegen-Analysen waren damals nicht unüblich; auch nicht die extrem hohe Frequenz von sechs Stunden pro Woche. Man kann noch nicht von einer Lehranalyse sprechen, denn sie fiel noch in die Zeit, in der es als »stillschweigende Voraussetzung« galt, daß sich ein