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Die Psychoanalyse markiert einen Aufbruch des Denkens, der sich sowohl durch starke zentrifugale als auch durch entschlossene zentripetale Tendenzen auszeichnet: Auf der einen Seite entwickelten sich mit Rank, Ferenczi Jung oder Adler sofort eigenständige Autoren, die dem psychoanalytischen Denken eigene Traditionslinien aufprägten; auf der anderen Seite bestand, beginnend mit jenem ominösen »Geheimen Komitee«, stets auch ein Zug zur gewollten Orthodoxie. Beide Tendenzen sind sinnvoll — ohne begriffliche Strengeverliert jedes Denken seine Substanz, ohne Weiterentwicklung und Austausch mit anderen Feldern des menschlichen Wissens verknöchert die Orthodoxie in der Wagenburg ihrer Grundbegriffe.
Nun ist es aber leicht gesagt: man müsse eben beiden Tendenzen ihr Recht zugestehen. Auf Stephen Mitchells Frage nach dem richtigen Umgang mit der Vielfalt psychoanalytischer Theorie antwortete Thomas Ogden: »It is easy to say that it is the analyst's obligation to become conversant with multiple epistemologies and to integrate them. I think that in reality, however, the best that we can hope for is an uneasy coexistence of a multiplicity of epistemologies« (Ogden, Subjects of Analysis, S. 193).
Buchholz und Gödde legen mit dem zweiten von drei Bänden über das Unbewußte ihr Projekt vor, das dieses Spannungsfeld austrägt. »Easy« ist es sicher nicht, dieser Mittelteil eines Vorhabens, das ans Enzyklopädische grenzt. Von »uneasiness« ist jedoch ebensowenig eine Spur. In ihrem Vorwort bieten die Herausgeber ein anderen Bild an: »Psychoanalytiker machen sich selten kundig, was in den Gärten ihrer Nachbarn alles blüht, welche wissenschaftlichen Ernten dort eingefahrenwerden; […] darin folgen wir gerade nicht Freud« (S. 11). Sie laden, ganz nonchalant, den Leser zu einem Gartenspaziergang ein.
Worum aber handelt es sich konkret bei diesem Buch? Buchholz und Gödde legen einen Band von Einzelarbeiten vor, bei denen jeweils vier bis acht Arbeiten zu folgenden Themen vorgestellt werden: Neue