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Die Arbeit stellt die Hauptgesichtspunkte unserer psychoanalytischen Interpretation von Bizets Carmen vor. Zentral ist für uns die Beziehung zwischen den beiden Protagonisten des Dramas, Carmen und José. Sie vertreten entgegengesetzte Konzepte von Liebe. Für José besteht sie in Zärtlichkeit und Hingabe, für Carmen in spontaner Sinnlichkeit. Bizets Musik zeigt beides in höchster Intensität. Wir versuchen, diesen Gegensatz mit Hilfe der Balintschen Begriffe zu verstehen: Balint unterscheidet Eros und Aphrodite, der eine repräsentiert den prägenitalen, die andere den genitalen Aspekt der Liebe. Reife und erfüllte Liebe setzt die Vereinigung beider Aspekte voraus. Carmen und José ziehen einander unwiderstehlich an, weil jeder im anderen das Element sucht, an dem es seiner eigenen psychischen Struktur mangelt. Sie scheitern tragisch: Die Oper zeigt uns die Versöhnung, die wir alle ersehnen, nur im Bilde einer letzten Vereinigung im Tod.