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Produktion und Rezeption von Literatur im Lichte von Übertragung und Gegenübertragung zu betrachten (vgl. ), ist ein bereits von Freud praktiziertes und in letzter Zeit auch zunehmend verbreitetes Verfahren. Bernd Oberhoff, Herausgeber von Sammelbänden zu den Themen Psychoanalyse und Musik und Das Unbewusste in der Musik , hat die Analyse von Übertragung und Gegenübertragung in seinen tiefenpsychologischen Opernführern zur Zauberflöte und zu Orpheus und Eurydike erstmals auch musikwissenschaftlich fruchtbar gemacht. Synkopisch zum Mozartjahr legte der Kassler Privatdozent für Soziale Therapie, der gleichzeitig Leiter eines renommierten Kammerchors ist, bereits 2004 einen Opernführer zu Cosi fan tutte und zum Don Giovanni vor, der die Übertragungs-Gegenübertragungsanalyse in potenzierter Form anwendet: Mozart reagierte auf den »Subtext« des Librettos, das für ihn sozusagen die Übertragung darstellte, indem er »sein Unbewusstes von dem im Libretto sich andeutenden Unbewussten des Don Giovanni berühren ließ« (S. 16) und ihm in seiner Komposition, also seiner Gegenübertragung, musikalischen Ausdruck verlieh. Oberhoff wiederum rezipiert Mozarts Musik als Übertragung und reagiert darauf mit der Gegenübertragung seiner Interpretation. Dabei bewegt er sich außerhalb des kulturgeschichtlichen mainstreams: Oberhoff deutet den Titelhelden nicht als Mythos phallisch-genitaler Männlichkeit, sondern als wandelnde Frühstörung, die am Ende dekompensiert und in die Psychose abstürzt. Schon in den aufwühlenden Anfangsakkorden der Ouvertüre deute sich die finale Regression Don Giovannis auf die paranoid-schizoide Position eines Kleinschen Säuglings an. Daß die bedrohlichen Klänge des Auftakts übergangslos in die »locker-leichte« Arie Leporellos münden, deutet Oberhoff als Symptom einer archaischen Spaltung. Don Giovannis »destruktives Agieren« in der Komtur-Szene erscheint demgemäß nicht als ödipale oder allgemein triebpsychologisch zu deutende Aggressivität, sondern selbstpsycholo