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Thematisch widmet sich der zweite Band des 70. Jahrgangs der RFP (Revue Française de Psychanalyse) der Gegenübertragung. Die Einleitung gibt zunächst einen kursorisch gehaltenen historischen Überblick über die Entwicklung dieses Konzepts. Dann wechselt der Duktus. In dem Begriff der Gegenübertragung drängt eine Vielzahl dialektischer Themen zur Entfaltung: die psychische Bisexualität des Analytikers, wenn er mit der passiv zu erleidenden und aktiv aufzunehmenden Gegenübertragung zu tun hat; die Frage der Zeitlichkeit von Übertragung und Gegenübertragung, insofern unklar ist, was wem vorausgeht bzw. nachfolgt; die Frage der Berechtigung dieses Begriffs überhaupt, wenn im Rahmen intersubjektiver Positionen mit deren synchronistischer Sicht der Analysand schließlich mehr auf die Gegenübertragung des Analytikers zu reagieren scheint als auf sein eigenes Erleben; die Wurzeln der Gegenübertragung in der Übertragung des Analytikers im Rahmen seiner Lehranalyse und seiner Ausbildung auf seinen eigenen Analytiker, ferner auf seine Supervisoren und die Institution, womit die Frage die Weitergabe der Psychoanalyse unter dem Blickwinkel der Gegenübertragung untersucht werden kann und muß.
Wir haben einige Beiträge ausgewählt. Aufgefallen ist uns dabei, wie konstant die Franzosen immer wieder auf das letztgenannte Thema, den Zusammenhang zwischen der aktuellen Arbeit eines Analytikers und seiner Erfahrung seiner eigenen Lehranalyse, zurückkommen. Im Laufe der Texte entsteht durch diesen Rekurs ein interessantes und ungewohntes Licht auf die Gegenübertragung: Diese erscheint nun nicht mehr überwiegend als Hinweis auf etwas im Patienten, verweist also nicht mehr nur nach vorne auf den Patienten und seine Pathologie. Vielmehr verweist sie zugleich zurück auf den Analytiker und die Tradition, in der er steht und die er mehr oder weniger bewußt weiter tradiert. Denn die vergangene Lehranalyse hat die Art und Weise des Containers, als welcher in den Texten die Gegenübertragung in bezug