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Die Feststellung, daß das Leben in Gesellschaft Grundbestimmung der Conditio humana sei und wir als soziale Wesen geboren werden, daß die Beziehung zu anderen dem einzelnen vorausgeht und auch die psychische Welt durch und durch sozial konstituiert ist, spiegelt sich in der gegenwärtigen Psychoanalyse in ihrer Hinwendung zu Intersubjektivität wider, die hier eine lange und von heftigen Kontroversen begleitete Geschichte hat. Subjektivität konstituiert sich im Blick des Anderen, verweist auf Intersubjektivität, auch in der analytischen Beziehung: die Subjektivität des Patienten ist ebenso wie die Subjektivität des Analytikers in die Matrix der analytischen Beziehung eingebettet. Das Problem unserer Zeit, so die Gegenwartsdiagnose, ist nicht Sexualität, sondern Identität. Identität aber konstituiert sich im Blick des Anderen, Subjektsein verweist auf Intersubjektivität.
»Intersubjektivität«, so schreiben Martin Altmeyer und Helmut Thomä, »verweist auf zwischenmenschliche Bezogenheit als Fundament der Conditio humana« — Intersubjektivität, nicht Triebe! Die Hinwendung zu Intersubjektivität als Erfahrungsgrundlage der modernen Psychoanalyse spiegelt sich in dem von Altmeyer und Thomä herausgegebenen Band Die intersubjektive Wende in der Psychoanalyse — so der Untertitel des Buches — nicht zuletzt darin wider, daß eine Begrifflichkeit, die in psychoanalytischen Texten bis vor geraumer Zeit selten aufgetaucht ist oder allenfalls in Verbindung mit einer vermeintlich oberflächlichen Sozialpsychologie zugerechneten Widerstandsphänomenen genannt wurde, mehr oder weniger selbstverständlich ist — Interaktion, interpersonell, der Andere, Anerkennung, Bindung, Reziprozität, Begegnung, ebenso Namen, die für die Psychoanalyse lange marginal schienen — Bowlby etwa, Sullivan, Hegel, Mead oder Habermas.
Die Herausgeber selber sind als Vertreter einer intersubjektiven Perspektive ausgewiesen: Für Helmut Thomä, Nestor der Psychoanalyse, waren der Beitrag des Psychoanalytikers und »ein int