You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Der ästhetische Konflikt gehört zu den Texten, auf die im postkleinianischen Diskurs über Psychoanalyse und Kunst seit langem wie von weitem verwiesen wird — er hat die Aura eines besonderen Werks. Nun liegt dieser Text, zusammen mit einem Kranz ihn einrahmender Essays, endlich in der schönen Übersetzung von Elisabeth Vorspohl vor.
Dieser Text hat eine Botschaft; sie ist denkbar einfach und eingängig: Es gibt Schönheit. Punkt. Ihr Urbild liegt im Anblick einer jungen Mutter mit ihrem Baby an der Brust. Die Schönheit dieses Anblicks ertragen wir kaum — und darum wehren wir ihn wegen der Heftigkeit und der Gefahren, die er mit sich bringt, ab. Darin folgen wir dem Baby, das diesen Anblick ebenfalls kaum ertragen konnte. In dieser Abwehrbewegung besteht der »ästhetische Konflikt«, der durch alle Zeiten hindurch unser Leben bestimmt.
Zwei Zitate zur Einstimmung: »Keine Blume, kein Vogel mit noch so prächtigem Gefieder führt uns das Geheimnis der ästhetischen Erfahrung derart direkt vor Augen wie der Anblick einer jungen Mutter mit ihrem Baby an der Brust. Wir betreten eine solche Kinderstube, als würden wir in eine Kathedrale eintreten oder unseren Fuß in die gewaltigen Urwälder der Pazifikküste setzen, geräuschlos, barhäuptig. Winnicotts […] Rundfunkbeiträge […] über >Die normal hingebungsvolle Mutter und ihr Baby< hätten auch den Titel tragen können: >Die normal schöne hingebungsvolle Mutter und ihr normal schönes Baby<« (S. 39). Sie hätten eben nicht — und ich werde darlegen, warum nicht. Doch zunächst zurück zur Schönheit: »Die normal schöne, hingebungsvolle Mutter ist für ihr normal schönes Baby ein kompliziertes Objekt von überwältigendem sensuellen und infrasensuellen Interesse. Ihre äußere Schönheit, die sich naturgemäß in ihrer Brust und ihrem Gesicht konzentriert, wobei ihre Brustwarzen und ihre Augen in beiden Fällen als Komplikationsfaktoren ins Spiel kommen, bombardiert den Säugling mit einer emotionalen Erfahrung leidenschaftlicher Natur, die auf seiner Fähi