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In einer interessanten Paradoxie ist in den letzten zwei Jahrzehnten, wenigstens in der amerikanischen Psychoanalyse, die Beschäftigung mit dem Thema von Schamaffekten, Schamabwehr und Schamkonflikten stark angestiegen, während das Thema der Analität manchmal fast wie vom Erdboden verschluckt erscheint. Dieses letztere Phänomen geht Hand in Hand mit einer häufigen, obzwar nicht allgemeinen Verpönung der Triebpsychologie und eines fast universellen Verschwindens des Konzepts psychischer Energie und des ökonomischen Modells. Das Schamthema nun findet großes Interesse auch bei all jenen, die mit dem Konfliktverständnis kaum noch etwas anfangen können. Scham scheint zu einem neuen Schibboleth geworden zu sein, das als Brücke zwischen manchen psychoanalytischen Straßen und Pfaden dient. Dies ist bis jetzt außerhalb der Vereinigten Staaten viel weniger der Fall, ja die Vermeidung beider Bereiche — Scham und Analität — ist stark verbreitet, man könnte sagen: »schamhaft verschwiegen« und zugedeckt durch die an sich wertvollen und ebenfalls wichtigen Themata von Aggression, namentlich Neid, von Schuld und Trauma. Auch das jetzt so betonte Sich-Befassen mit der Gegenübertragung führt zum geläufigen Anerkennen von Wut oder Verwirrtheit und von erotischen Gefühlen. Oft wird das Anerkennen der notwendigen Abhängigkeit und Regression des Patienten in der Gegenübertragung agiert und nicht in Frage gestellt, und gerade deshalb wird nur selten die Rolle der Scham in der Gegenübertragung, geschweige denn von analen Regungen angesprochen.
Um so verdienstvoller ist dieses »Opusculum« über das Götz-Zitat. In einer faszinierenden und wertvollen psychoanalytischen Studie dieses weitverbreiteten, wenn nicht »geflügelten« Worts bedient sich der Jenaer Professor des Strafrechts und Psychoanalytiker Günter Jerouschek eingehender geschichtlicher, kunsthistorischer, linguistischer und psychoanalytischer Forschungen, um der scheinbar rein analen Beschämungs- und Schimpffloskel eine tiefere und um