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Übersicht: In diesem Beitrag wird beschrieben, wie eine Kultur die Probleme durcharbeitet, mit denen sie aufgrund ihrer drohenden Vernichtung konfrontiert ist. Der Autor konzentriert sich auf das Beispiel der Crow-Indianer, eines Stammes, der in der Prärie im Nordwesten Nordamerikas lebte, und auf ihren letzten bedeutenden Häuptling, Plenty Coups. Psychoanalytische Konzepte spielen eine entscheidende Rolle bei dem Versuch, die Möglichkeit einer kreativen Reaktion zu erklären. Vor allem die kollektive Benutzung von Träumen und Traumdeutung ermöglichte es dem Stamm, ein neues Ich-Ideal zu entwickeln und herkömmliche Scham- und Demütigungszuweisungen auf diese Weise zu transformieren. Dies schuf zudem die Voraussetzung für eine Transformation der psychischen Struktur und eröffnete den Crow-Indianern neue Möglichkeiten, als Crow ein gutes Leben zu führen. Umgekehrt kann uns die Gefahr eines Zivilisationszusammenbruchs neue Möglichkeiten für die konzeptuelle Entwicklung der Psychoanalyse aufzeigen. Die Psychoanalyse muß insbesondere anerkennen, daß eine Destruktion auf der Ebene der Kultur erfolgen kann, ohne daß die Individuen körperlichen Schaden nehmen. Die psychischen Zustände der betroffenen Individuen sind unterschiedlich und komplex und können nicht unter die Kategorie Trauma subsumiert werden. Eine Kultur kann vernichtet werden, ohne daß es eine Eins-zu-eins-Beziehung zu den psychischen Zuständen der Individuen gibt, die ihr angehören. Gleichzeitig werden zahlreiche psychische Zustände durch den Zusammenbruch einer Lebensweise unmöglich gemacht. Diese Phänomene verstehen zu lernen ist eine unverzichtbare Voraussetzung, wenn man begreifen möchte, wie eine Kultur die Gefährdung ihrer eigenen Existenz durcharbeitet.