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Gerne komme ich der Bitte von Werner Bohleber nach, eine gedrängte Darstellung der Psychoanalyse in Deutschland abzugeben, so wie ich sie vor dem Hintergrund meiner Zusammenarbeit mit deutschen und österreichischen Kollegen über die vergangenen dreißig Jahre hinweg erlebt habe und im Blick auf den bevorstehenden IPV-Kongreß in Berlin sehe. Ich wurde in Wien geboren, wo ich meine Kindheit verbrachte, und emigrierte nach dem »Anschluß«, genauer gesagt erst im Juli 1939, mit meinen Eltern nach Chile, wahrte aber durch die Zugehörigkeit zur engen Gemeinschaft der jüdischen Einwanderer von Valparaiso und Santiago meine vertraute Beziehung zur deutschen Kultur. Ich hielt die Verbindung aufrecht und, so sollte ich wohl sagen, pflegte meine bittersüße Sehnsucht nach der deutschen Kultur und Literatur, wie ich sie dank einer Gruppe emigrierter Intellektueller und dank meiner begierigen Lektüre deutschsprachiger Bücher wahrnahm. 1975 kam ich zum ersten Mal nach dem Krieg wieder nach Deutschland. Ich möchte hier mit einigen persönlichen Erfahrungen beginnen, um mich dann allgemein über meine Beobachtungen auf dem Feld der deutschen Psychoanalyse zu äußern.
An meinem allerersten Abend in Deutschland, in Frankfurt am Main, lud mich ein etwa gleichaltriger Analytikerkollege im Anschluß an meinen Vortrag im Sigmund-Freud-Institut zu einem späten Abendessen ein. Ich war überrascht und gerührt von seiner freundlichen und taktvollen Art, an mich heranzutreten: Er fragte mich nach meinen ersten Eindrücken und nach den Gefühlen, die diese Rückkehr bei mir auslöste, und ging auf meine vorsichtigen und tastenden Bemerkungen — ich wußte wirklich noch nicht, was ich fühlen würde — mit der Frage ein, ob es mich interessieren würde, etwas über ihn zu erfahren. Und dann schilderte er mir die Jahre seines Heranwachsens, die letzten Kriegsjahre und die ersten Jahre nach dem Ende der Naziherrschaft, auf eine so persönliche und unmittelbare Weise, daß ich mich veranlaßt sah, ihm von meinen Erfahru