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Übersicht: Der Berliner Kongreß von 1922 war der bestbesuchte IPV-Kongreß vor dem Zweiten Weltkrieg. Dies lag vor allem an der großen Zahl von Gästen aus Berlin, aber auch an den günstigen Wechselkursverhältnissen, die den Besuch für Ausländer leicht machten. Das Programm war umfangreicher als sonst. Es ist bemerkenswert, wie viele Arbeiten vorgelegt wurden, die im Rückblick als zukunftsweisend oder besonders originell erscheinen: Freuds Ankündigung seiner Strukturtheorie, Ferenczi über seine Genitaltheorie, Abraham über die Entwicklungsgeschichte der Libido, Horney über den weiblichen Kastrationskomplex, Klein über Frühanalyse, Eitingon über die Berliner Poliklinik. Für die Außenwirkung war problematisch, daß nur IPV-Mitglieder und akkreditierte Gäste zugelassen waren und die Presse ausgeschlossen wurde. Insgesamt erweckt der Kongreß den Eindruck eines großen Aufbruchs nach Jahren der Lähmung. Er bot eine imposante Leistungsschau der Berliner Vereinigung und hat im Rückblick einen besonderen Glanz als der letzte Kongreß, an dem Freud noch teilnahm.