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Edith Jacobson, 1897 in Niederschlesienals Kind eines jüdischen Arztes geboren, gehört zu den mythenumwobenen Gestalten der Pionierzeit der Psychoanalyse. Über sie wußte man, daß sie Mitte der 1930er Jahre wegen ihres antifaschistischen Engagements von den Nationalsozialisten zu einer knapp dreijährigen Gefängnisstrafe verurteilt wurde. Eben diese Inhaftierung veranlaßte führende Repräsentanten der Psychoanalyse zu heftigen Vorwürfen gegenüber Edith Jacobson (die sich damals noch Jacobssohn schrieb), weil sie gegen die Auflage verstoßen hatte, sichals Psychoanalytikerin politisch »abstinent« zu verhalten, die erst ein Jahr zuvor im Zusammenhang mit dem »Fall« Reich (vgl. Fallend/Nitzschke ) besonders betont worden war.
Ulrike May und Elke Mühlleitner haben nun einen sorgfältig edierten Band vorgelegt, in dem Jacobsons Lebensweg in Deutschland und den USA nachgezeichnet wird. Sie haben durch aufwendige Recherchen in amerikanischen Archiven sowie bei Privatpersonen neues biographisches Material, Briefe und unveröffentlichte Texte von Jacobson ausfindig gemacht, die dem Buch einen persönlichen Charakter und biographisch-theoretischen Tiefgang verleihen. Ferner haben sie ehemalige amerikanische Kollegen dafür gewonnen, sich an ihre privaten und fachlichen Begegnungen mit Jacobson zu erinnern.
Entsprechend der scharfen Zäsur, die Jacobsons Inhaftierung und ihre spätere Flucht nach Amerika bedeuten, zerfällt das Buch in drei Teile: ihr Leben in Deutschland bis zur Inhaftierung, die gut zweijährige Gefangenschaft sowie ihr »zweites Leben« in den USA.
In Beiträgen von Michael Schröter und Ulrike May wird der persönliche und berufliche Werdegang beschrieben. 1916 legt Edith Jacobson das Abitur in Liegnitz ab. Als die etwa 20jährige enge Freunde im Krieg verliert, erlebt sie »die ersten wirklichen Objektverluste« (S. 22). Ihr Vater, der im Krieg als Arzt Dienst tut, entwickelt danach eine Depression, wodurch bei seiner Tochter das lebenslange Interesse an dieser Krankheit geweck