You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Übersicht: Dieser Beitrag ist ein Versuch, ein einheitliches Modell für ein psychoanalytisches Verständnis des Phänomens und der Bedingungen der Emotionen zu formulieren. Zu diesem Zweck werden die Emotionen unter drei Blickwinkeln betrachtet: Trieb, Repräsentation und Wahrnehmung. Zunächst wird Freuds frühe Triebtheorie erläutert, der zufolge ein somatischer Drang einen Platz in der Welt der Repräsentationen sucht. Der Trieb wird in einer »mentalen Matrix«, wie spätere Autoren es genannt haben, repräsentiert. Die energetisch besetzte Matrix eröffnet einen somatischen Prozeß, der in Gefühlen wie Freude, Kummer oder Scham wahrnehmbar wird. Die fragliche Wahrnehmung besteht aus einer Kombination verschiedener Repräsentationen. Dieses Bild wird mit Hilfe von Paul Ricœurs Modell entwickelt, das zeigt, daß Sprache lebendig ist, wenn Worte aufeinander einwirken; analog dazu könnte man sagen, daß die Psyche ein Leben hat, wenn Repräsentationen einander beeinflussen. Abschließend versucht der Autor zu zeigen, daß Emotionen eine spezifische Bedeutung in der psychoanalytischen Praxis besitzen, weil sie (1) eine direkte Wahrnehmung der psychischen Realität ermöglichen und (2) eine psychische Arbeitsanforderung implizieren, die zu einer mentalen Transformation führen kann.