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Bei manchen wissenschaftlichen Büchern ist der Titel das Beste. Diese Veröffentlichung über Autismus ist hervorragend, obwohl sie gewissermaßen gar keinen Titel hat, aber dieser Nicht-Titel ist das Treffendste, was man dazu sagen kann: Autistische Phänomene in psychoanalytischen Behandlungen. Ein Buch für die Fachwelt? Natürlich. Und auch wieder nicht, denn dafür ist es dann insgesamt zu gut geschrieben. Darin liegt schon ein Appell anein psychoanalytisch vorgebildetes größeres Publikum, denn mit wirklichen Fachleuten kann man ja im Telegrammstil verkehren.
Ist Autismus — klinisch wäre es etwa die »zystische Einkapselung eines Teils der Persönlichkeit«, allgemein gesagt ist es das Wort für eine Abkapselung, die gesellschaftliche Übereinkünfte nach allen Seiten hin verhindert und als das ganz Andere, uneinfühlbar Fremde von der Gesellschaft nicht verstanden wird — eine Zeitkrankheit? Symptome des Autismus hat es zu allen Zeiten gegeben, aber wann wurden sie als solche erkannt und benannt? Sloterdijk hat der Kapsel einen neuen Heiligenschein verliehen. Autismus wird heute als eine spiegelbildliche Bedrohung perhorresziert. In einem Zeitalter, das alle Probleme unter dem hilflosen Wort Kommunikation versteckt, ist die Kommunikationslosigkeit des Autisten der pure Schrecken — zum Schrecken gehört der Spiegel, der Abwehr produziert. Das Gerede von Kommunikation und die Isolationsfolter der Kommunikation sind nur die zwei Seiten der selben Medaille. Dadurch, daß wir etwas von der Kommunikationsverweigerung zu verstehen beginnen, merken wir, auf welch brüchigem Boden die Kommunikationsgesellschaft sich bewegt.
Während der Renaissance, in der man in Europa den Individualitätsbegriff für ein breiteres, sich gerade erst etablierendes Humanistenpublikum entwickelt, ist das Individuum immer zugleich die Repräsentanz des Kosmos, niemals ist es eine Kapsel. Studiert man nach so vielen Zusammenbrüchen humanistischer und aufklärerischer Systembauten die philosophische Literatur des 1