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Der 1918 geborene Psychoanalytiker und Hochschullehrer Johannes Cremerius hat eine Vielzahl von Schriften mit einem breitgefächerten Themenspektrum publiziert und kann als eine
der herausragenden, streitbaren Gestalten der Psychoanalyse der Nachkriegszeit gelten. 1994 hatte er in einem der von Ludger M. Hermanns herausgegebenen Bände Psychoanalyse in Selbstdarstellungen eine autobiographische Skizze publiziert. Als Cremerius im März 2002 84jährig verstarb, hinterließ er Disketten mit zahlreichen autobiographischen Texten, deren Überarbeitung offenkundig noch nicht abgeschlossen war.
Einige Freiburger Kollegen unter Federführung des Literaturwissenschaftlers Wolfram Mauser haben die Texte redigiert und unter dem autobiographisch getönten Titel Ein Leben als Psychoanalytiker in Deutschland herausgegeben. Grundlegende inhaltliche Veränderungen wurden nicht vorgenommen, es wurde ein knappes Nachwort beigefügt, mit Informationen über Cremerius' Tätigkeiten während des 2. Weltkriegs. Über seinen Werdegang während dieser Kriegsjahre hat Cremerius — er war bei Kriegsende 27 Jahre alt und hatte sein Medizinstudium abgeschlossen — keinen eigenständigen Beitrag verfaßt.
Der einleitende, wohl kurz vor seinem Tod angefertigte Beitrag »Zuführungen aus unbekannten und bekannten Anfängen« besticht durch seine luzide, literarische, selbstreflexive Darstellung. Cremerius zeichnet im autobiographischen Rückblick seinen Lebensweg sowie seinen beruflichen Werdegang nach, einschließlich seiner Orientierungsversuche und Kämpfe. Die »Widerständigkeit« seines Charakters, sein lebenslanges Bemühen, sich »aufgrund meines lebhaften Temperamentes« (S. 92) mit seinen gesellschaftlichen Verhältnissen kritisch auseinanderzusetzen, wird von ihm im Sinne einer biographischen Kontinuität dargeboten und weckt Interesse für die weiteren Beiträge.
Cremerius, in einem niederrheinischen Dorf aufgewachsen, erinnert sich seines frühkindlichen Forscherdrangs und seiner kindlichen Wehrhaftigkeit, die durch sei