You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Die Überschreitung oder auch Verletzung von Grenzen sowie der Umgang damit ist das Thema der sechs Beiträge, die Rotraut de Clerck in ihrem Buch versammelt. In allen sechs Beiträgen werden die vielschichtigen Auswirkungen und Versuche der Bewältigung schwerer Traumatisierungen auf politisch-gesellschaftlicher wie auf individueller Ebene beleuchtet. Es geht dabei um die Dialektik von äußerem Trauma und innerer Verarbeitung, die häufig darin besteht, daß das nicht zu Verarbeitende, weil Überflutende und das individuelle wie auch das kollektive Identitätsgefühl Verletzende oder gar Zerstörende wieder nach außen projiziert wird und dies einem paranoiden Verarbeitungsmodus Vorschub leistet. Es geht um die Unmöglichkeit, für das Trauma eine psychische Repräsentanz zu entwickeln, so daß tote Zonen oder auch Leerstellen im Selbst entstehen, deren Abwehr in der Paranoia wiederum das Entstehen einer psychischen Repräsentanz des Traumas und damit auch die Wiedergewinnung eines Kontinuitätsgefühls des Selbsts verhindert.
Die Beiträge befassen sich weiterhin mit der Problematik der Bewertung dieses Innen und Außen in der analytischen Behandlung, wobei der Stellenwert von Erinnerung und Gedächtnis in diesem Rahmen ebenso diskutiert wird wie die möglichen Auswirkungen auf eine Behandlung, wenn der Analytiker ebenfalls einem kollektiven Trauma ausgesetzt war oder ist.
Mit dem letztgenannten Thema setzt sich Ilany Kogan in ihrem Beitrag auseinander. Die Autorin berichtet von zwei Analysen, die sie in Zeiten realer äußerer Bedrohung Israels dort durchgeführt hatte. Die erste Kasuistik dreht sich um die Schwierigkeit, die es auch für die Analytikerin bedeutete, Phantasie und Wirklichkeit voneinander getrennt zu halten, als ihre Patientin einen Ort mehrfacher Bombenanschläge wiederholt aufsuchte, wobei in der Analyse dieses Verhalten zwar gedeutet wurde, die Analytikerin jedoch später in beunruhigende Zweifel darüber geriet, ob sie das Ausmaß der realen Bedrohung nicht selbst verleugnet