You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
»Die Reise, von der ich berichte, liegt beinahe vierzig Jahre zurück. Ich fuhr von Prijedor in Nordbosnien nach Belgrad. […] In Triest, das damals von alliierten Truppen besetzt war, gab es einen kurzen Aufenthalt. Dann ging es weiter über Mailand nach Zürich; dort wollte ich meine psychoanalytische Ausbildung beginnen. Der Weg war von Erlebnissen und heftigen Gefühlen begleitet, von denen ich heute die Motive ableite, die mich zur Psychoanalyse gedrängt haben. Stationen der Reise lassen sich als Orte einer Entwicklung beschreiben, die zur Psychoanalyse führt« (S. 13).
Der Leser mag es erahnen: Hier erinnert sich Paul Parin, Schweizer Psychoanalytiker und vielfach preisgekrönter Schriftsteller, im Rückblick auf ein langes, außergewöhnlich produktives Leben. Dieses Jahr ist er 90 Jahre alt geworden, und noch immer lebt er in der Wohnung, in der er bereits vor einem halben Jahrhundert, seinerzeit noch gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Goldy Parin-Matthéy sowie Fritz Morgenthaler, eine Gemeinschaftspraxis in Zürich betrieb.
In seinem 1986 verfaßten autobiographischen Essay »Kurzer Aufenthalt in Triest oder Koordinaten der Psychoanalyse« fließen in außergewöhnlich dichter, zeitloser Weise Autobiographie, psychoanalytische Selbstreflexion sowie sprachliche Darstellungskunst zusammen.
Der Beitrag ist in den Band Lesereise 1955 bis 2005 aufgenommen worden, in dem einige bereits früher veröffentlichte theoretische, biographische sowie klinische Beiträge Parins versammelt sind, gemeinsam mit weiteren kleinen, bisher unveröffentlichten literarischen Stücken aus den Jahren 2002 bis 2005.
Es wird wohl sein letztes Buch bleiben: Vor einem Jahr ist Paul Parin erblindet. Seine rechtzeitig zum Geburtstag fertiggestellte, 50 Jahre umspannende »Lesereise« wurde von