You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Ende der fünfziger Jahre des zurückliegenden Jahrhunderts — Film und Psychoanalyse sind zu diesem Zeitpunkt beide etwa 65 Jahre >alt< — bereiteten John Huston und der als Drehbuchautor engagierte Jean-Paul Sartre das Projekt eines Freud-Films vor. Beide überwarfen sich jedoch, und Sartre wird später schreiben: »Einmal, als er [Huston] in bezug auf Freud von seinem >Unbewußten< sprach, hat er etwas Komisches gesagt: >In meinem ist nichts<« (Pontalis, J.-B. []: Drehbuch Freud, Drehbuch Sartre. In: Sartre, J.-P.: Freud. Das Drehbuch. Reinbek 1995, S. 12). Wir wissen nicht genau, woran Huston dachte, als er von >seinem< Unbewußten sprach. Immerhin wurde ihm diese Aussage von Sartre in den Mund gelegt, der ja selbst die Existenz des Unbewußten anzweifelte. Unter diesen Voraussetzungen einen Film über Freud zu drehen konnte wohl nicht gut gehen. Was sich indessen zu einem erfolgreichen und auch für Nichtanalytiker attraktiven Anwendungsbereich der Psychoanalyse entwickelt hat, ist die auf dem Wege psychoanalytischer Interpretationen in den Blick genommene >unbewußte Botschaft< von Filmen. In vielen Städten mit psychoanalytischen Instituten haben sich inzwischen Veranstaltungsreihen und Tagungen etabliert, die ein breites Spektrum psychoanalytischer Filmanalyse präsentieren.
Den beiden zu besprechenden Büchern merkt man die reichhaltige Erfahrung der Herausgeber und Autoren mit Filminterpretationen an, was auch den theoretischen Beiträgen zur aktuellen Diskussion der Filmpsychoanalyse gutbekommt. Der von Lutz Wohlrab herausgegebene Band Filme auf der Couch kommt gleich zur Sache, auf theoretische Erläuterungen außerhalb der Besprechungen wird bewußt verzichtet. Insgesamt sechzehn Filme werden vorgestellt, von Buñuels Un chien andalou (Claus Löser) über Alien (Christine Gerstenfeld), Ich hieß Sabina Spielrein (Annette Simon) bis zu Mulholland Drive (Simon Brückner) findet sich eine große Bandbreite inter-pretativer Annäherungen, welche die heutige Perspektivenvielfalt psycho