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Das Titelbild »Thalia-Filmtheater Darmstadt 1948« gibt einen Hinweis auf den frühen Beginn des Filmesehens: offenbar hat der Autor spätestens 15jährig begonnen, Filme zu sehen, mit ihnen zu leben und schließlich über sie zu schreiben und sie psychoanalytisch zu erschließen. Dieser schmale Band ist »aus anderem Holz«, wie der Autor in seinem Vorwort kommentiert, indem er eine ironische Bemerkung Freuds zu einem Aufsatz von Thomas Mann zitiert, der aus Freuds Sicht einen Text über die Romantik »vorne und rückwärts mit Psychoanalyse furniert, wie die Tischler sagen: die Masse ist aus einem anderen Holz« (Brief an Lou Andreas-Salomé vom 28. Juli ). Peter Dettmering widmet sich also, eingedenk des Abstandes zwischen der ihm vertrauteren Interpretation von Texten und der schwierigeren Erfassung bildhafter Abläufe, in einer Hommage an den Film einer persönlichen Filmgeschichte.
Ohne den Anspruch, Person oder Werk zu analysieren, aber doch mit dem Blick des Psychoanalytikers entwirft er Porträts von sechs Filmregisseuren. Das erste gilt Friedrich Wilhelm Murnau, der als »Dichter des Films« vorgestellt wird und dessen vom Expressionismus beeinflußtes Werk auch an eine gewisse Rezeption der Psychoanalyse denken läßt. In Murnaus Dracula-Verfilmung Nosferatu — Eine Symphonie des Grauens überlistet eine Frau den Vampir. Oft steht einer jugendlichen männlichen Hauptfigur ein übermächtiger Vater gegenüber, ein Muster, in dem sich die Erfahrung des im wilhelminischen Deutschland diskriminierten Homosexuellen, der in die USA auswanderte, widerspiegeln mag.
Den legendären Josef von Sternberg sieht Dettmering »zwischen Weltruhm und Mißerfolg«, mehr an Stil als an Handlung interessiert, oft als Alter ego eines Protagonisten wahrnehmbar, so daß sich Aufstieg und Absturz verzahnen wie im Blauen Engel und der Verfilmung von Theodor Dreisers An American Tragedy. Die hochgradig verfeinerte Oberfläche seiner Stummfilme wurde von Susan Sontag, die Dettmering zitiert, in ihrem Buch Against Inter