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Im Sommer 2007 erschien im Psychosozial-Verlag, herausgegeben von Hans-Jürgen Wirth, die deutsche Ausgabe der 1967 auf englisch publizierten Studie Thomas Woodrow Wilson. Twenty-eighth President of the United States: A Psychological Study, als deren Autoren Sigmund Freud und William C. Bullitt aufgeführt wurden. Schon damals war die Autorschaft Freuds von Kennern seines Werks mit gewichtigen Argumenten in Frage gestellt bzw. für die meisten Teile des Buches verneint worden. Ein Bündel von Dokumenten, das Paul Roazen 2004 in Bullitts Nachlaß in der Yale University Library fand, hat nun die Diskussion um Freuds Autorschaft neu entfacht. Hans-Jürgen Wirth stützt sich auf Roazen, der aus den Dokumenten schließt, daß Freuds Beitrag zu dem Buch größer gewesen sei als bisher angenommen. Ohne weitere Umstände bezeichnet Wirth das Buch als »Freuds einzige Studie über einen Politiker seiner Zeit«. Er macht ihn damit zum vollumfänglichen Mitautor und kritisiert, daß das Buch nicht in den Korpus von Freuds Werken aufgenommen worden sei. Daran und am Text der deutschen Ausgabe dieses Buches hat sich heftiger Widerspruch entzündet. Da es sich um eine Frage von erheblicher Bedeutung handelt, die nicht nur die Freud-Exegese berührt, sondern Folgerungen auch für eine psychoanalytische Kulturtheorie hat, dokumentieren wir diese Kontroverse auf den nächsten Seiten mit Beiträgen von Mark Solms und Ilse Grubrich-Simitis. Mark Solms analysiert die neu aufgefundenen Dokumente und rekonstruiert daraus Art und Weise der Zusammenarbeit von Freud und Bullitt. Ilse Grubrich-Simitis setzt sich mit dem Text der deutschen Ausgabe, dem Vorwort und den eigenen Beiträgen des Herausgebers in dem Buch kritisch auseinander.
Werner Bohleber