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Ausgehend von der Beobachtung der polarisierten öffentlichen Diskussion über Krippenbetreuung, die ihr verschiedene Funktionen (wie Frühförderung des Kleinkindes oder Ermöglichung mütterlicher Berufstätigkeit) zuschreibt und von unterschiedlichen Frauen- und Mütter-(auch Väter-)Bildern ausgeht, wird die Funktion der Krippe ausschließlich dahingehend definiert, die frühe Trennung von Mutter und Kind zu ermöglichen. Erst wenn die Trennungsaufgabe ins Zentrum der Krippendiskussion gestellt wird, kann im Sinne des Kindeswohls über die Qualität von Betreuungsarten und -institutionen und unter Anwendung psychoanalytischen Wissens über die Folgen früher Trennungserfahrungen reflektiert werden. Die Vehemenz des Streits über die Krippenfrage wird als »Deck-Diskussion« zur Abwehr allgegenwärtiger, aber verdrängter früher Trennungsängste und als Verleugnung der besonderen Bedeutung der Zeit in der weiblichen Entwicklung verstanden. Wenn die frühe Trennung von Mutter und Kind nicht mehr durch Rationalisierung abgewehrt werden muß, sondern als Aufgabe verstanden werden kann, die Zeit, Einfühlung und Berücksichtigung des individuellen kindlichen Entwicklungsstands braucht, können die die Trennung unvermeidlich begleitenden Affekte von Kind, Eltern und Betreuungsperson bewußt wahrgenommen, auf genommen und gemildert werden. Anhand von Fallbeispielen wird die psychopathologische Wirkung von Trennungsrationalisierungen und unbewußten Schuldzuweisungen nachgezeichnet.