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Was berechtigt dazu, 20 Jahre nach der Erstpublikation eine deutsche Übersetzung eines französischen Werks zur Depression herauszubringen? Muß es nicht notwendig veraltet sein, hat der psychoanalytische Diskurs, haben die Neurowissenschaften, haben andere das in dem Werk versammelte Wissen nicht schon überflüssig gemacht? Verblüffend ist die Antwort, die aber auch nachdenklich stimmt und die gleich vorweggenommen sei: dieses Buch hat an Aktualität nichts verloren. Immer noch uneingelöst, d. h. immer noch zu wenig durchgearbeitet ist die sich einem »Polylog« der Wissenschaften verdankende, transdisziplinär verankerte theoretische Position, deren denkerische Komplexität dem Anspruch, den Freud an eine psychoanalytische Universität hatte, voll genügen kann. Es ist nicht leicht, auf den Spuren Lacans weiterzudenken, ohne Melanie Klein, Hannah Segal oder Donald Winnicott zu vergessen, zugleich aber semiotische und zeichentheoretische Modelle zugrunde zu legen, dann wieder die Religionsgeschichte und die Literatur zu befragen. Die Lektüre macht deutlich, wie sehr der psychoanalytische Diskurs, gerade dort, wo er sich einem Lagerdenken verschreibt, selbst melancholisch wird, indem er festhält an einem — oft nicht einmal gut explizierbaren — Ursprung, an einer rechten und richtigen Perspektive, von dem aus das Andere, von dem aus Lacan, von dem aus Melanie Klein abgelehnt werden. Statt dessen braucht es die von Freud vorgezeichneten Brücken zu den Neurowissenschaften, zur Sprachanalyse, zur ästhetischen Theorie, zur Theologie, wohin auch immer, ansonsten verarmt die Psychoanalyse inmitten einer Klinik, die sich selber nicht mehr versteht. Insofern ist das vorliegende Buch viel mehr als ein Buch über die Melancholie. Es läßt sich als eine Summe des in äußerster Konzentration versammelten Denkwegs der Julia Kristeva lesen. Aber natürlich ist es auch und im Schwerpunkt ein Buch zu Depression und Melancholie. Auf diesen Wegen will i