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In der bisher vorliegenden psychologischen und auch der psychoanalytischen Literatur sind Erfahrungen mit spätadoptierten Kindern noch wenig erforscht. Seit das Adoptionsrecht 1977 novelliert wurde, sind die Landesjugendämter allerdings gehalten, die Möglichkeiten der Adoption vor allem in Heimen untergebrachter Minderjähriger verstärkt zu prüfen. Da auf der anderen Seite 10-15% aller Ehen unfreiwillig kinderlos bleiben und die in der Regel gewünschte Adoption eines Säuglings nur für einen Bruchteil von nachsuchenden Paaren realisiert werden kann, verdient das Schicksal sowohl der spätadoptierten Kinder wie auch der adoptierenden Eltern vermehrte Beachtung.
Aus psychoanalytischer Perspektive hatten 1990 Edda Harms und Barbara Strehlow mit ihrem Sammelband Das Traumkind in der Realität: Psychoanalytische Einblicke in die Probleme von adoptierten Kindern und ihren Familien einen ausgezeichneten Zugang zu den Forschungsergebnissen zu Adoptionsschicksalen geliefert. Für die speziellen Probleme bei sogenannten Spätadoptionen, also Adoptionen von Kindern zwischen 3 und 14 Jahren, schließt die Veröffentlichung von Celina Rodriguez Drescher nun eine Lücke und stellt, abgeleitet aus Einzelfallstudien, Ergebnisse vor, welche die Besonderheit des Adoptionsverlaufs bei diesen Kindern unterstreichen und dadurch neue Orientierungen für alle an einer solchen Adoption beteiligten Personen ermöglichen.
Das Buch beginnt mit einer Übersicht über die Literatur zur Adoptionsforschung und insbesondere über psychoanalytische Studien zur Adoption, die sich mit der Besonderheit des Familienromans bei Adoptierten und deren unsicherer Identitätsfrage befassen. Im Mittelpunkt stehen dann sechs Einzelfallstudien, die auf qualitativen, psychoanalytisch orientierten Interviews sowohl mit erwachsenen oder adoleszenten Spätadoptierten als auch mit ihren Adoptiveltern beruhen. Die Ergebnisse dieser narrativen Interviews werden sodann in bezug auf das Leben der Adoptierten wie auch auf das Leben der Ad