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»Eminentes Mißverständnis«, »eklatante Fehleinschätzung« - das ist ein schweres Geschütz, das Maciejewski auffährt, um eine Kontroverse in Gang zu bringen, die mir, solange man nicht aneinander vorbeiredet, nur willkommen sein kann, denn nichts trägt mehr zur Klärung geisteswissenschaftlicher Probleme bei als eine fruchtbare Kontroverse. Maciejewskis Vorwürfe beziehen sich sowohl auf mein Verständnis Freuds als auch auf meine Deutung der von Freud behandelten historischen Befunde, d. h. der Genese des Monotheismus. Was den ersten Punkt betrifft, will ich lieber gleich das Feld räumen. Es ist mir nie um eine korrekte Freud-Interpretation gegangen. Weder Psychoanalytiker noch Analysand, gehe ich an Freuds Texte von außen heran und nehme mir, was ich brauchen kann für eine Kulturtheorie, die dem Unbewußten Rechnung trägt. Meine Lektüre ist in hohem Maße eklektizistisch, und es kann gar nicht anders sein, als daß ich Freud in vielen Punkten falsch, jedenfalls nicht im Sinne der psychoanalytischen Orthodoxie, lese. Worum es mir in erster Linie zu tun ist, betrifft die sachliche Ebene, auf die sich Freud in seinem Moses-Buch bezieht: die Genese des Monotheismus und das Problem der transgenerationellen Weitergabe kultureller Errungenschaften, die Punkte also, bei denen mir Maciejewski eklatante Fehleinschätzung vorwirft.
Im Grunde sind unsere Positionen nicht so weit voneinander entfernt, wie Maciejewski das darstellt. Auch er glaubt nicht an den Mord an Moses, seine prägende Wirkung als kollektives Trauma und dessen biologische Vererbung.1 Auch er ersetzt das alles durch kulturelle Prägungen: durch die Beschneidung, die er als ein kulturell induziertes Trauma im Sinne einer psychischen Konditionierung deutet. Die Beschneidung ist nun einmal nicht erblich. Damit sind wir uns in dem für mich entscheidenden Punkt einig. Der Punkt, in dem wir uns uneinig sind, wird ironischerweise schon in der Bibel kontrovers behandelt. Er betrifft in biblischer Sicht die Frage der Zugehörigk