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Lieber Herr Assmann,
haben Sie schönen Dank für die Zusendung Ihres »Antwort-Entwurfes«, mit dem Sie mich, offen gestanden, ein wenig in Verlegenheit bringen. Sie beschwören zu Anfang und Ende die Gefahr, »daß man aneinander vorbeirede« — eine höfliche Umschreibung für den längst eingetretenen Fall. Aber Sie lamentieren nicht lange darüber, und das will ich auch nicht tun, sondern gleich einige Klarstellungen anbieten.
Eine neue »Zwangsalternative« zwischen Körper und Schrift gibt es natürlich weder bei mir noch bei Ihnen (oder Aleida Assmann). Was es gibt, ist eine Privilegierung oder ein Primat — und der liegt bei Ihnen bei der Schrift und dem Schriftgedächtnis. Und wer wollte im Ernst die überragende Bedeutung der Schrift im Kontext einer Kultur des Buches unterschätzen. Nur, im Mittelpunkt meiner Arbeit (und der Debatte über das Unbewußte in der Kultur) steht die Dynamik des jüdischen Kollektivgedächtnisses, die formative Phase also, die erst spät zu einer Verschriftlichung gefunden hat. Und hier beharre ich mit Freud darauf, daß die spätere heilige Schrift ein Oberflächenphänomen ist, das einem triebdynamischen Komplex, der im Unbewußten der Kultur abläuft, aufsitzt. Nur insofern ist das Heranziehen der Josianischen Legende vom aufgefundenen Buch zur Kennzeichung der Freudschen Position ein »eminentes Mißverständnis«. Wenn wir mit Derrida zwei Orte der Einschreibung unterscheiden, das Buch und die Beschneidung, dann geht entwicklungsgeschichtlich (nicht: gedächtnisgeschichtlich) die Dynamik gerade nicht vom Buch aus.
Das leitet unmittelbar zum zweiten Mißverständnis über, dem Mißverstehen meiner Kritik, Ihre Gewichtung des Verhältnisses von Monotheismus und Beschneidung beruhe auf einer »eklatanten Fehleinschätzung«. Aus dem Kontext sollte deutlich werden, daß ich mich wiederum allein auf die formative Phase der monotheistischen Religion beziehe. In der exilischen und nach-exilischen Zeit dominiert eindeutig die Schrift