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Auch wenn keine/r der Autorinnen und Autoren dieses Bandes die längst überfällige wissenschaftstheoretische Auseinandersetzung
mit dem derzeitigen Verhältnis von Psychoanalyse und Neurowissenschaft eingehend führt oder etwa die Merkwürdigkeiten einer Faszination des Faktischen untersucht, die viele Psychoanalytiker selbst- und gegenstandsvergessen ergriffen zu haben scheint — in Zeiten hektischer Neuverortungsversuche ist der schmale Band trotzdem so etwas wie eine leise Stimme der Vernunft. Jeder Beitrag läßt sich auch als Kommentar zur wissenschaftspolitischen Lage der Psychoanalyse lesen, als selbstreflexiver Einspruch gegen die eilfertige Bereitschaft von Psychoanalytikerinnen und Psychoanalytikern, sich auf ihren Fachtagungen von Studien zum evidenzbasierten Outcome bestimmter Therapiemodule in der Behandlung von Depression langweilen zu lassen. Wohlgemerkt — ohne sich einmal darüber verständigt zu haben, was man unter Erfolg, Heilung oder Depression verstehen möchte, bzw. darüber, was dabei herauskommen kann, wenn zwei Subjekte einen bestimmten Diskurs über sprachlose Traurigkeit führen. Evident ist unter diesen Verhältnissen allemal Freudlosigkeit.
Die Stoßrichtung dieses Bandes, der die Beiträge einer Bremer Arbeitstagung (»Objekt der Forschung — Forschung als Objekt: Methoden im Spannungsfeld von Wissenschaft und Psychoanalyse«, 22. 1. 2005) und Aufsätze der beiden Herausgeberinnen versammelt, ist freilich keine klinische, sondern der Versuch einer Selbstverständigung über die Psychoanalyse als »Denk- und Forschungsmethode« (Umschlag). Diese hat nachhaltig in den Bereich der Kultur- und Sozialwissenschaften ausgestrahlt und tut dies weiterhin, so daß nicht nur die Wissenschaft vom Unbewußten selbst sich des Wunschcharakters ihres Denkens innewerden kann, wenn sie sich besinnt. Vielmehr offeriert die Psychoanalyse für jegliche Wissenschaft und Forschung die einzigartige Möglichkeit, ihre triebhaften Voraussetzungen zu reflektieren, die dem Wissen eingeschri