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Während die Psychiatrie und Neuropathologie vor Freud Zwangserscheinungen als Symptome anderer Erkrankungen ansah, beschrieb Freud 1895 in »Obsessions et phobies« erstmals die Zwangsneurose als eigene Krankheitsentität. 1909 entwickelte er in den »Bemerkungen über einen Fall von Zwangsneurose« eine umfassende Theorie dieses Krankheitsbildes. Seither wurde das Konzept der Zwangsneurose sowohl in der Psychiatrie als auch innerhalb verschiedener psychoanalytischer Richtungen kontrovers behandelt. Dieser Diskurs spiegelt sich auch in der Rezeption der Fallgeschichte des »Rattenmanns« wider, in dem der Fokus auf eine ödipale Problemstellung, auf präödipale Entwicklungsstörungen oder auf die Abwehr psychotischer Fragmentierung gelegt wurde. Mit einem strukturorientierten Theorieansatz steht der Psychoanalyse heute ein differenzierter Zugang zu Fragen der Pathogenese und Behandlungstechnik von Zwangsstörungen zur Verfügung.